Bikram Yoga ist eine Abfolge von 24 Asanas und zwei Atemübungen (pranayama). Ausgesucht hat diese der Inder Bikram Choudhury, der nicht ganz unumstrittene Yogameister, der seine Abfolge in den USA patentieren ließ. Die zweite Besonderheit an Bikram Yoga ist, dass der Raum auf 38 bis 40 Grad Celsius aufgeheizt wird und genau 40 Prozent Luftfeuchtigkeit aufweisen soll. Geworben wird damit, dass Gifte durch erhöhtes Schwitzen ausgeschwemmt werden und der Körper bei der Wärme besonders flexibel sei. Letzteres stimmt. Aber damit einher geht eine erhöhte Verletzungsgefahr, z.B. durch Zerrungen.

Bikram Yoga Poses

Immer wieder denselben Berg besteigen

Für eine starre Abfolge spricht, dass derartige Yogastile wie Rituale wirken: Sie beruhigen und geben einen Rahmen. Immer gleich, spüren Schüler_innen zudem auf diese Weise besonders, wenn sich im Körper und Geist etwas bewegt und verändert. Eigentlich wie beim Ashtanga Yoga, das auch eine erste, zweite, dritte Serie kennt, die immer gleich geübt wird. Es ist der immer gleiche Berg, der bestiegen wird.

Das kann wiederum gegen feste Abfolgen sprechen: Wer immer auf denselben Berg klettert, der läuft Gefahr, in der Routine unachtsam zu werden. Der Geist schweift ab und ist nicht mehr konzentriert bei der Sache, befürchtet etwa T.K.V. Desikachar (Sohn von Krishnamacharya) in „The Heart of Yoga“. Er schlägt Variationen vor, etwa die Asanas oder die Atmung zu verändern, sobald die Achtsamkeit nachlässt.

Schwitzen bis zum Umfallen?

Die warme Raumtemparatur bei Hot Yoga lockt vor allem junge und leistungsorientierte Yogis an, weil man sich danach so herrlich ausgepowert und trainiert fühlt. Sie ist jedoch besonders für Menschen mit hohem Blutdruck, untrainierte sowie hitzeempfindliche Anfänger_innen nicht zu empfehlen.

Der Anstieg der Körpertemperatur auf bis zu 40 Grad Celsius ist laut einer Studie der Wisconsin University (Siehe Video unten) problematisch und selbst das gesteigerte Schwitzen kühlt den Körper nicht ausreichend. Schwächegefühle oder Schwindel sollten unbedingt ernst genommen und die Praxis abgebrochen werden. Während der Bikram Yoga Praxis soll zudem ausreichend getrunken werden und das nicht nur während offiziell „erlaubter“ Trinkpausen, so die Studienautoren.

Abnehmen mit Hot Yoga?

Dr. Brian L. Tracy von der Colorado State University empfiehlt die Zufuhr isotonischer Getränke. Hot Yoga führt ihrer Studie zufolge zu einem gefährlich niedrigen Spiegel von Kalium und Natrium. Die Untersuchung zeigte auch, dass der empfundene Gewichtsverlust nicht der Realität entspricht. „Wir haben einen höheren Gewichtsverlust erwartet, auch weil diese Leute (in der Studie) vorher nicht regelmäßig trainiert haben“, so Tracy.

Zum Abnehmen eignet sich also auch Bikram Yoga allein wenig; es werden im Schnitt nur 330 bis 460 Kalorien in einer 90-Minuten-Session verbrannt (Siehe auch unseren Artikel zum Thema Laufen und Yoga). Vermutlich erzeugt der gesteigerte Flüssigkeitsverlust das Gefühl der Leichtigkeit, wie nach einem Saunagang.